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Informationsbroschüre über Psychosoziale Versorgung psychosomatisch erkrankter Arbeitnehmer


Folgen der veränderten Arbeitswelt auf die menschliche Psyche

Um unter den veränderten Bedingungen einer globalisierten Arbeitswelt am Markt bestehen zu können, wächst in vielen Firmen der Druck auf den einzelnen Menschen. Immer weniger Mitarbeiter sollen immer mehr arbeiten. Arbeitsstreß und Überbelastung führen bei immer mehr Menschen zu psychischen Störungen wie Depressionen, Ängsten, Zwängen und funktionellen Beschwerden ohne organische Ursache. Die steigende Technisierung verlangt den Beschäftigten eine immer höhere Arbeitsgeschwindigkeit ab. Oft wird der Arbeitsrhythmus von der Arbeitstechnik vorgegeben. Zunehmender Arbeitsstreß und die unterschiedlichen Arbeitszeiten führen auch oft dazu, daß wichtige soziale Kontakte vernachlässigt werden. Für viele ist daher die Grenze der Belastung am Arbeitsplatz nahezu erreicht.



Epidemiologische Fakten

Eine epidemiologische Untersuchung an einer repräsentativen Stichprobe von 600 Mannheimer Bürgerinnen und Bürgern hat ergeben, daß jeder vierte an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung leidet. Diese Probanden wurden von erfahrenen Psychotherapeuten in ihrer Wohnung aufgesucht und eingehend hinsichtlich psychosomatischer Beschwerden, ihrer Lebensgeschichte und gegenwärtigen Situation befragt. Erst danach wurde die Indikation zu einer Psychotherapie gestellt. In insgesamt fünf Querschnittsuntersuchungen über einen Zeitraum von nahzu 15 Jahren hat sich ergeben, daß die Langzeitprognose psychosomatischer und psychischer Beschwerden ungünstig ist: Unbehandelt geht es zwei Drittel der Probanden nach 15 Jahren gleich schlecht oder noch schlechter. Daß die Beschwerden von selbst vergehen, ist somit ein fataler Irrtum, der sie chronisch und schlechter behandelbar werden läßt. Ebenso hat sich gezeigt, daß ein Psychotherapieangebot häufig aus sachlichorganisatorischen Gründen abgelehnt wurde. Hierbei wurden vor allem Zeitprobleme, Überschneidungen mit der Arbeitszeit, Transportprobleme sowie starke berufliche und private Belastung genannt. Diese Gründe wurden weit häufiger angeführt als die mangelnde Einsicht in eine Therapienotwendigkeit.



Psychotherapeutische Versorgung von Arbeitnehmern

Die Forschungsstelle für Psychotherapie Stuttgart plant ein Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit den Arbeitsmedizinischen Diensten, den Betriebs- und Personalräten sowie der Geschäftsleitung von Betrieben zur Klärung der Fragen:
- Unter welchen Bedingungen können Berufstätige Psychotherapie realisieren?
- Wie können sie ein für sich akzeptables Psychotherapieangebot finden?
- Halten Psychotherapeuten für Berufstätige genügend flexible Angebote bereit?


Erster Schritt:

Erhebung des Psychotherapiebedarfs Anhand einer freiwilligen Mitarbeiterbefragung besonders belasteter Berufsgruppen soll mit Hilfe von Fragebögen zu psychosomatischen Beschwerden, belastenden Lebensereignissen, Bewältigungsstrategien, dem Selbstbild und der sozialen Unterstützung der Versorgungsbedarf bei Berufstätigen abgeschätzt werden. Gleichzeitig sollen auch die Versorgungswünsche mit erfasst werden.



Zweiter Schritt:

Psychotherapeutische Intervention Psychosomatisch erkrankte Arbeitnehmer können auf freiwilliger Basis, zum Beispiel in Form einer "Psychosomatischen Sprechstunde" Information und Beratung erhalten sowie Psychotherapiemöglichkeiten aufgezeigt bekommen. Die Koordinierung des Psychotherapiebedarfs und -angebotes erfolgt durch die Forschungsstelle für Psychotherapie Stuttgart.



Dritter Schritt:

Follow-up-Untersuchung: Bei einer Nachuntersuchung der im ersten Schritt befragten Stichprobe im Betrieb wird ermittelt, wie sich behandelte Arbeitnehmer im Vergleich zu unbehandelten entwickelt haben.



Für dieses Vorhaben suchen wir Betriebe, die an einer Kooperation interessiert sind.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Dr. med. Steffen Häfner
Forschungsstelle für Psychotherapie
Christian-Belser-Str. 79a
70597 Stuttgart
Telefon: 0711/6781-405 oder -400
Fax: 0711/6876902
haefner@psyres-stuttgart.de

Homepage Dr. Haefner



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letzte Aktualisierung: Januar 2002