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Computerunterstützte Darbietung von Selbstbeurteilungsverfahren
Methodik & Technik: Diagnose & Indikation
R. Percevic, H. Kordy
Die meisten psychometrischen Instrumente sind als Papier/Bleistift-Fragebogen konstruiert. Nach der Beantwortung werden die Daten entweder von Hand oder nach Eingabe in einen Rechner ausgewertet. Beides ist fehlerträchtig, zeitraubend und mit beträchtlichen Kosten verbunden. Für ein kontinuierliches Ergebnis-Monitoring z.B., wie es von der FS angestrebt wird, ist die zeitnahe Verfügbarkeit von Informationen zentral, kann aber so kaum gewährleistet werden. Die FS erprobt daher Wege, die im Rahmen der Qualitätssicherung (QS) eingesetzten Instrumente direkt am Computer ausfüllen zu lassen. Dabei werden folgende Aspekte untersucht: (1) Äquivalenz der Testnormen bei computerunterstützter Darbietung und Papier/Bleistift-Darbietung (vgl. auch Empfehlungen des BDP bzw. der APA); (2) Akzeptanz computerunterstützter Darbietung in Abhängigkeit von der Präsentationsform am Rechner (z.B. ganze Formulare vs. Einzelitems; fehlende Werte erlaubt vs. nicht erlaubt; Änderungen möglich vs. nicht möglich; Touchscreen vs. Maus oder Tastatur etc.); (3) Einfluß auf Reliabilität und Validität; (4) potenzielle weitere Vorteile wie z.B. Erfassung von Antwortzeiten, adaptive Vorgabe von Items oder ganzer Fragebögen oder Rückmeldungen an die Patienten.
Zur Untersuchung wurden die Fragebögen der Zwischenerhebung der Qualitätssicherung für die computerunterstützte Erhebung in ein HTML-Format übertragen. Dies wird seit Oktober 2000 an der Panorama Fachklinik Scheidegg erprobt. Das Untersuchungsdesign vergleicht die Papier/Bleistift-Erhebung mit unterschiedlichen Varianten der computerunterstützten Darbietung. Explorativ werden Daten zu Itemantwortzeiten untersucht. Bisher haben 38 Patienten die Fragebogen am Computer bearbeitet. Die Akzeptanz war gut, über 80% der Patienten ziehen die computerunterstützte Erhebung der Papier/Bleistift-Erhebung vor.
Die Datenerhebung (ca. 400 Patienten) wird etwa Mitte 2001 abgeschlossen. Schrittweise werden mit der Touchscreen-Erfassung technische und mit der adaptiven Testvorgabe auf der Basis von Knowledge Spaces und Item Response Theorie psychometrische Neuerungen erprobt.
Zur Relevanz des IIP in der Psychotherapieforschung
Methodik & Technik: Evaluation
S. Bauer, B. Hering, H. Kordy
Interpersonale Probleme werden als wesentliche Determinanten für die Entwicklung oder Aufrechterhaltung psychischer Störungen angesehen. Folglich gilt die Reduktion der interpersonalen Probleme als ein wichtiger Indikator erfolgreicher psychotherapeutischer Maßnahmen. Allerdings ist ungeklärt, ob die Dauer stationärer Psychotherapie ausreicht, meßbare Veränderungen zu sehen. Im Qualitätsmanagement-System nach dem Stuttgart-Heidelberger Modell werden die teilnehmenden Patienten routinemäßig mit dem Inventar zur Erfassung interpersonaler Probleme (IIP) befragt.
Die empirische Grundlage für die Untersuchung dieser Frage bilden die Daten von rund 1500 Patienten, die an der Panoroma Fachklinik Scheidegg erhoben wurden. Neben dem IIP liegen weitere diagnostische Informationen (u.a. SCL-90-R, GBB, EB-45, LQ) zu vier Meßzeitpunkten (Aufnahme, Entlassung, 6 und 12 Monate nach Entlassung) vor.
Die Patienten dieser Stichprobe berichten die stärksten Beeinträchtigungen in den Bereichen Introversion, Selbstunsicherheit und Nachgiebigkeit. Zu Therapieende zeigen sich auf allen acht Subskalen des IIP zwar deutliche Raten reliabler Veränderungen (zwischen 28% und 45%), sie sind aber im Vergleich zu den Veränderungsraten auf anderen Instrumenten (z.B. SCL-90-R) eher niedrig. Die Veränderungsraten zur 6- und 12-Monatskatamnese sind deutlich höher.
Die prognostische Bedeutung der Muster interpersonaler Probleme für das Therapieergebnis und seine Stabilität wird in Zusammenarbeit mit Len Horowitz (Stanford Univ.) untersucht. Es werden spezifische Hypothesen für Subgruppen abgeleitet, die durch bestimmte Konstellationen im Interpersonalen Circumplex ausgezeichnet sind.
Die Beziehung zwischen Dimensionen von Religiosität und psychischer Gesundheit - ein Vergleich zwischen Patienten und Nicht-Patienten
Methodik & Technik: Diagnose & Indikation
M. Richard in Zusammenarbeit mit der Klinik 'Stiftung f. ganzheitliche Medizin' (SGM) in Langenthal, CH
Die im Berichtsjahr 1998 vorgestellte Untersuchung zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit kann nun ihre Ergebnisse vorlegen. Im Zentrum steht zum einen der Vergleich der Religiosität bei Nicht-Patienten (wir danken Herrn Zwingmann, Herrn Grom und Herrn Hellmeister für die freundliche Bereitstellung der Daten) und Patienten und zum anderen die Veränderung der Religiosität nach stationärer Psychotherapie in einem Behandlungskonzept, das religiöse Elemente in die Therapie integriert. Die Religiosität wurde über das Müncher Multidimensionale Religiositätsinventar (MMRI) erfaßt, das in das Qualitätsmanagement der Klinik 'Stiftung f. ganzheitliche Medizin' (SGM) aufgenommen wurde.
Der Patientenstichprobe entsprechend wurden nur Personen evangelischer und freikirchlicher Zugehörigkeit miteinander verglichen. In beiden Stichproben (Patienten n=61, Nicht-Patienten n=59) hingen alle 8 Dimensionen der Religiosität mit verschiedenen demografischen Variablen zusammen: Frauen, ältere Personen und Personen, die der Religiosität mehr Wichtigkeit beimaßen, hatten höhere Religiositäts-Werte.
Nach statistischer Kontrolle dieser Variablen unterschieden sich Patienten von Nicht-Patienten hinsichtlich dreier Dimensionen: Patienten erhoffen sich bei der Bewältigung von Problemen die Lösung stärker ausschließlich durch Gott ('passives Kontrollstreben') und nehmen ihn weniger als 'Partner' bei eigenen Lösungsversuchen wahr ('kooperatives Kontrollstreben'). Nicht-Patienten erleben den Glauben stärker als selbstwertunterstützend als Patienten ('positiver Selbstwert'). Diese drei Skalen korrelieren auch mit Maßen psychischer Symptomatik (SCL-90-R, IIP) in der Patienten-Stichprobe: Höhere Religiosität geht mit niedrigeren Symptomwerten einher. Die Veränderungen nach der Behandlung (n=34) lagen in einer verminderten 'moralischen Selbstkontrolle' und höherem 'positiven Selbstwert'. Die Ergebnisse sprechen für einen Zusammenhang zwischen religiösen Einstellungen und Problemlösestrategien, die in der Therapie eine förderliche bzw. hinderliche Rolle spielen können.
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